NÖN-Interview mit Rudi Vogel
11. Januar 2023
„Die Mentalität im Team stimmt“
Wieselburgs Trainer Rudi Vogel gibt Einblicke in sein Seelenleben und spricht über schöne, aber auch schmerzende Stunden.
VON FRANZ WILLATSCHEK
Der SC Wieselburg stellt mit der vorzeitigen Vertragsverlängerung mit Erfolgscoach Rudi Vogel früh die sportlichen Weichen für die nächsten eineinhalb Jahre. Über die Beweggründe dahinter, Entwicklungen und Ziele spricht der ehemalige Fußballprofi im NÖN-Interview.
NÖN: Ihr Vertrag wurde vorzeitig verlängert – eine Wertschätzung Ihrer Arbeit?
Vogel: Natürlich fühlt es sich gut an, weiterhin das Vertrauen zu erhalten. Sowohl von Vereinsseite als auch von meiner Seite her passt alles perfekt. Wir haben gemeinsam eine irrsinnige sportliche Entwicklung gemacht. Als ich das Team übernommen habe, waren wir ganz unten. Wir haben an den richtigen Schrauben gedreht und das abgelaufene Jahr hat gezeigt, zu welchen Leistungen wir als Einheit im Stande sind.
NÖN: Sie sind seit mehr als drei Jahren Trainer beim SC Wieselburg – für einen Trainer oftmals bereits eine sehr lange Zeit. Abnützungserscheinungen sind nicht spürbar, oder?
Vogel: Nein, Abnützungserscheinungen verspüre ich keine. Ich bin nun das vierte Jahr als SCW-Coach tätig, eine lange Zeit. Das hat für mich einen sehr großen Stellenwert und zeichnet die gute Zusammenarbeit mit dem Verein und den Spielern aus. Wir haben alle den gleichen Nenner und verfolgen das Ziel, gemeinsam noch viel erreichen zu wollen. Wichtig ist auch, dass das Training variabel gestaltet wird und nicht immer nach Schablone abläuft.
"Mein Ziel ist, dass wir so lange wie möglich die Tuchfühlung zur Tabellenspitze halten können.“
– SCW Coach Rudi Vogel
NÖN: Wie haben Sie das abgelaufene Jahr aus sportlicher Sicht erlebt?
Vogel: Es war für mich ein wunderschönes Jahr mit vielen Vereinsrekorden und Erfolgen. Natürlich hat das so knappe Verpassen des Meistertitels im Sommer sehr weh getan. Der Titel war zwar nicht unser erklärtes Ziel, wenn du aber so nahe dran bist, willst du ihn auch unbedingt holen. Von diesem Scheitern haben sich meine Spieler und auch ich nach einer verordneten Pause, um ein wenig Abstand gewinnen zu können, auch sehr gut erholt. Dass die abgelaufene Herbstsaison schwierig werden würde, war klar. Mit dem dritten Zwischenrang bin ich aber sehr zufrieden.
NÖN: Welche Erkenntnis ist für Sie vom Jahr 2022 zurückgeblieben?
Vogel: Eine sehr positive, da wir alle zusammen bereit für den Meistertitel gewesen wären. Wir haben uns ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Haitzendorf geliefert. Beide Mannschaften haben sich keine Umfaller leisten dürfen. Meine Spieler haben das bravourös umgesetzt, tolle Leistungen und Charakter gezeigt. Dass die Mentalität im Team zu 100 Prozent stimmt, ist meine schönste Erkenntnis.
NÖN: Am 23. Jänner beginnt die heiße Phase der Vorbereitung für die Rückrunde. Auf was werden Sie besonders großen Wert legen?
Vogel: Den Fokus lege ich wie immer darauf, dass sich mein Team den körperlichen Zustand für ein kräfteraubendes Jahr erarbeitet. Unsere Stärke ist die ausgezeichnete Fitness. Daran werden wir im ersten Vorbereitungsmonat arbeiten. Danach konzentrieren wir uns auf die spielerischen Elemente, um das Toreschießen zu verbessern.
NÖN: Welche Ziele verfolgen Sie für die Frühjahrsmeisterschaft?
Vogel: Die ersten drei Runden werden zeigen, ob wir noch um den Titel mitreden können oder nicht. In der zweiten Runde gastieren wir in Ybbs, gleich danach geht es gegen St. Peter. Mein Ziel ist, dass wir so lange wie möglich die Tuchfühlung zur Tabellenspitze halten können. Für Spieler und den gesamten Verein wäre es natürlich schön, wenn es im Frühjahr lange Zeit noch um etwas geht.
NÖN: Wird es dafür Neuzugänge brauchen?
Vogel: Nein, wir holen sicherlich keine neuen Spieler. Ich bin mit dem bestehenden Kader außerordentlich zufrieden. Einzig die Chancenauswertung müssen wir verbessern. Diese Problematik hat sich wie ein roter Faden durch den Herbst gezogen. Da brauchen wir neue Impulse, denn ansonsten waren wir im Spiel immer sehr dominant. Zudem ist Alexander Hiesberger wieder voll einsatzfähig.
NÖN: Ihr Vertrag läuft bis Ende Juni 2024. Wo soll die sportliche Reise mit dem SC Wieselburg hingehen?
Vogel: Mit der Vorgabe, von Spiel zu Spiel schauen, sind wir in den vergangenen Jahren sehr gut gefahren. Darum mache ich auch noch keine Pläne für die kommende Saison. Jetzt schauen wir einmal, wie die aktuelle Meisterschaft verläuft, dann analysieren wir alles und treffen für die nächste Saison neue Entscheidungen.
Robert Gnant, Obmann SC Wieselburg
Es gibt keinen Grund, etwas zu ändern. Rudi macht eine tolle Arbeit. Die sportliche Entwicklung passt. Auch heuer spielen wir ganz vorne mit.“
